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Elina Lukijanova wird Wolfgang-Rihm-Stipendiatin 2020

Betrachtet man die kräftigen Auf- und Abstriche, mit denen der Cellist Anselm Weber die eindringliche Komposition von Elina Lukijanova interpretiert, dann ahnt man schnell, dass sie kein Leichtgewicht sein will. Tiefes Schnarren, rhythmisches Kratzen, dazwischen melodische Fragmente und Assoziationen an eine postapokalyptische Maschinenwelt entlockt er dem von der Komponistin aus Tonnen und Saiten selbst gebauten Instrument, das sie mit einem Hauch von Ironie „Blech-Cello“ nennt. 

Vielleicht bezieht sie auch deshalb so kraftvoll Stellung, weil sie den Abgründen dieser Welt lieber trotzen will, als sie still zu ertragen? Wolfgang Rihm, der weltberühmte Lehrer dieser talentierten Künstlerin, sprach von den vielen Entwicklungschancen, die Lukijanova in sich trägt. Wir von der Hoepfner Stiftung möchten mit unserem Stipendium dazu beitragen, dass aus diesen Chancen Projekte und aus den Projekten Werke werden!

Elina Lukijanova: Geboren 1983 im heutigen Moldawien, zieht Elina Lukijanova im 8. Lebensjahr nach Deutschland. Nach dem Abitur studiert sie Songwriting, Keyboard und Music Technology in Enschede, Niederlande bei Sebastian Altekamp, Glenn Corneille und Peter Leutscher. Als Assistentin arbeitet sie für die Müllkünstlerin Inge van Kann und den Komponisten Edgar Mann, während sie sich im Selbststudium mit Instrumentenbau, Mikrotonalität und dem Schreiben von Lyrik beschäftigt.
Ab 2015 studiert sie Komposition bei Prof. Wolfgang Rihm und Prof. Markus Hechtle, sowie Musikinformatik bei Prof. Thomas Troge und Prof. Christoph Seibert.
Elina Lukijanova nimmt teil an Meisterkursen, unter anderem bei Dieter Ammann, Chaya Czernowin, Ondřej Adámek, Francesco Felidei, Zeynep Geduzlioglu, Mathias Steinauer und Manos Tsangaris.
Im Jahr 2018 gründet sie mit Musikinformatiker*innen die Artrock-Band genre0x95 und gewinnt den DELTA Kompositionspreis des Klangforums Heidelberg.
Elina Lukijanovas Werke beziehen sich zuweilen auf Bildende Kunst, eigene lyrische Arbeiten, Texte anderer Autor*innen und philosophische Arbeiten.
Sie legt ihr Augenmerk auf Texturen, auf Prozesse des physischen Schaffens und Erfindens, seien es eigene Instrumente, mikrotonale Stimmungen oder Ideen digitaler und rekursiver Umgebungen: Flüchtigkeiten, die in einer sinnlichen Welt Erfahrung finden.

Auftragsarbeit Rihm-Stipendium: Glashaus

Mit einem markerschütternden Schrei markierte Sopranistin Sophie Buß einen Höhepunkt der ersten Oper von Marc David Ferrum: Sie hat endlich einen riesigen Sack voller bunter Plastikteile gefunden. Leidenschaftlich begehrt sie dieses formbare Material, das anscheinend „Alles“ kann und nach dem sie fast schon süchtig geworden ist im Verlauf dieses spannenden Abends. Ferrum scheut sich nicht, ein aktuelles Thema aufzugreifen und es dann in einer fast schon märchenhaften Weise zu verarbeiten.

Selten haben wir einen so intensiven Abend mit zeitgenössischer Musik erlebt.

Und wir sind stolz darauf, dass Ferrum dieses Werk für das Wolfgang-Rihm-Stipendium 2019 geschaffen hat. Die (überlebensgroße) Partitur liegt bei uns im Tresor! Übrigens ist dort vermerkt, dass der Schrei so hoch wie möglich gesungen werden soll (und auch so laut wie möglich?)

Kinderoper des Wolfgang-Rihm-Stipendiaten Marc David Ferrum wird in Karlsruhe uraufgeführt

Kunststoff macht unseren Alltag einfach und bequem. Ob als PET-Flasche, Joghurtbecher, Plastikbesteck, Schutzfolie der Biogurke, Einkaufstüte oder als Füll- und Dämmstoff in unseren Häusern – Kunststoff ist aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken.

Ausgelöst durch die handelnden Charaktere im GLASHAUS verwandelt sich der Klang der Instrumente unter dem zunehmenden Einfluss dieses Wundermaterials. Aus Kunststoff wird der Stoff der Kunst und das Publikum findet sich inmitten faszinierender Klänge wieder, deren Veränderung es hautnah erleben und mitgestalten kann.

Jedoch bewerten die Figuren alle klanglichen Verwandlungen höchst unterschiedlich und ein heftiger Konflikt scheint unausweichlich – denn welchen Preis hat die Faszination für dieses Wundermaterial?

Preisträger des Fotowettbewerbs in der IHK vorgestellt – Publikumspreis vergeben

Bei der Vernissage zum diesjährigen Fotowettbewerb der Hoepfner Stiftung  hatten die zahlreichen Gäste Gelegenheit, mehr über die Preisträger und Ihre fotografische Arbeit zu erfahren. Der erste Preis ging an den Fotografen Kai Schabio und seine Arbeit „Digital Kids“:

Den zweiten Preis errang der Karlsruher Fotograf Andreas Eichelmann mit seiner Serie: „Tim“:

Hannes Wiedemann wurde mit dem dritten Preis für seine Fotos „Grinders“ ausgezeichnet:

Die insgesamt zehn Preisträger, aber auch die übrigen Einreichungen, die in der Ausstellung ebenfalls präsentiert werden – zeigen besonders eindrücklich, dass Kunst und Kultur Anregungen dazu geben können, Themen unserer Zeit von einem anderen Standpunkt zu betrachten und dann zu neuen Einsichten zu gelangen. Noch während der Eröffnung in der Karlsruher Industrie- und Handelskammer wurde der Publikumspreis mit großem Abstand an den Fotografen Perry Wunderlich mit seiner Arbeit „Zeitreise“ vergeben:

Impressionen der Ausstellung:

Hier der Katalog mit allen Bildern: